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TRK: 49. Sitzung der Regionalkonferenz der TechnologieRegion Karlsruhe

Wenn Kultur und Wirtschaft zusammenkommen, geht es nicht per se um Geld und Sponsoring. Das machte die 49. Sitzung der Regionalkonferenz der TechnologieRegion Karlsruhe mehr als deutlich. Kooperation auf Augenhöhe war vielmehr der Wunsch aller Beteiligten.

Quelle: IHK | Regionalkonferenz TRK

„Wir wollten mit dem Format einer Diskussionsrunde mit den wichtigsten Kulturplayern der Region etwas Neues innerhalb der Regionalkonferenz schaffen“, erklärt deren Vorsitzender und IHK-Präsident Wolfgang Grenke. „Wir haben im IHK Haus der Wirtschaft ein Podium geboten zur Vernetzung der Welten. Wir sollten uns bewusst machen, dass wir über eine im internationalen Vergleich außergewöhnliche Kulturlandschaft verfügen, die viel zu oft als selbstverständlich angesehen wird.“ Kultur bedeutet Lebensqualität, darin waren sich alle einig. „Sie ist zudem ein wichtiger Standortfaktor. Wenn wir Menschen in unserer Region halten oder in unsere Region ziehen wollen, ist dies ein Pfund, mit dem man wuchern kann. In der Konkurrenz der Regionen ist unser außergewöhnliches Angebot an kulturellen Einrichtungen und Veranstaltungen ein klares Alleinstellungsmerkmal. Die TechnologieRegion Karlsruhe hat nicht ohne Grund den Slogan “Hightech trifft Lebensart”, denn die Kultur ist in ihren vielfältigen Ausprägungen ein wichtiger Standortfaktor, auch aus wirtschaftlicher Sicht. Dies wird gerade auch vor dem Hintergrund des Fach- und Arbeitskräftemangels zunehmend eine Rolle spielen.” Grenke hob in diesem Zusammenhang die Kooperation zwischen dem Welcome Center der TechnologieRegion (TRK) und dem Badischen Staatstheater hervor.

Auch Karlsruhes Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup betonte: „Mit dem Beginn neuer Ären in einigen Häusern blicken wir auf spannende Zeiten in unserer regionalen Kulturszene, die vielleicht sogar auf das ganze Land ausstrahlt. Allen Beteiligten ist bewusst, dass Kultureinrichtungen immer stärker Orte der Diskussion werden, die auch für die jüngeren Generationen attraktiv sein müssen.“

Wolf E. Rahlfs, Intendant der Badischen Landesbühne Bruchsal, wünscht sich den eingangs genannten Dialog auf Augenhöhe. „Wir sind keine Bittsteller“, erklärt der ehemalige Schauspieler und Regisseur ganz entschieden. Ähnlich sieht es Johannes Graf-Hauber, Direktor des Badisches Staatstheaters Karlsruhe. „Wir suchen und nutzen Kooperationen mit der Wirtschaft. Zum Beispiel im Bereich 3D-Druck für unsere Bühnenbilder. Oder, mit Blick auf die TRK-Wasserstoffoffensive stelle ich mir die Frage: Warum können wir nicht als Theater einen Wasserstoff-Lkw für unsere Flotte testen?“ Auch eine effiziente und nachhaltige Theatersanierung sei ohne Kooperationen mit der Wirtschaft nicht zu schaffen.

Nachhaltigkeit ist übrigens auch ein Herzensthema von Nicola May, Intendantin des Stadttheaters Baden-Baden. Ihr Wunsch an die Region auf die von Moderator Dr. Volkmar Baumgärtner, Geschäftsführer der KulturRegion Karlsruhe, gestellte Frage: Eine besserer ÖPNV-Anbindung des Theaters. Nicht zuletzt auch im Sinne der Nachhaltigkeit. Sie machte außerdem klar, dass Theater zeitlos und (fast) krisenfest sei. Es brauche letztlich nur einen Menschen auf der Bühne und einen Menschen im Publikum. Eine Kunst des Augenblicks.

Hier kam ein zweites wichtiges Thema ins Spiel: Für May wie auch Rahlfs sind Theater und Kultur vor allem analog, nicht im Sinne des Gegensatzes zu digital, sondern als Orte der Begegnung von den Menschen im Publikum oder idealerweise auch mit den Personen auf der Bühne. Vielleicht auch als Orte der Begegnung mitten in der Stadt. Aus der Not eine Tugend machen, muss beispielsweise Prof. Dr. Frédéric Bußmann, Direktor der Kunsthalle Karlsruhe. Closed but open nennt es Baumgärtner. „Wir sind ein nomadisches Museum“, erklärt Bußmann, „angewiesen auf Kooperationen, beispielsweise mit dem ZKM, das den Ausstellungen eine neue Heimat gegeben hat, die aus der Not geboren, eine Strategie für die Zukunft darstelle. Dies zeige, dass Museum mehr sei als ein Ort. Auch hier gibt es Möglichkeiten zur Kooperation mit der Wirtschaft, nämlich in Partnerschaft für eine nachhaltige Erweiterung der Kunsthalle.

Ähnliches steht Prof. Dr. Eckart Köhne, Direktor des Badischen Landesmuseums, bevor, dessen Heimat, das Karlsruher Schloss, ab Herbst 2025 saniert werden soll. Er hofft auf Asyl in der Innenstadt. „Kultur ist schließlich ein wichtiger Standortfaktor für Tourismus und der Bestandteil einer lebenswerten Innenstadt.“

Alistair Hudson, seit einem Jahr und zwei Tagen Vorstand des ZKM, will das Museum in seine dritte Ära, in das Kapitel „Post-Digitales Bauhaus“ führen. Der Engländer setzt, wie könnte es anders sein, auf internationale digitale Kooperationen, die Zeit und Raum unwichtig machen und den Fokus der Kulturwelt nicht mehr ausschließlich auf die Kulturmetropolen dieser Welt lenkt. Auch Karlsruhe könne hier, nicht zuletzt dank der Kooperation zwischen Kultur, Wirtschaft und Technologie, mit außergewöhnlichen Innovationen punkten.

Die Subventionen für die Kultureinrichten sahen alle Beteiligten als gerechtfertigt an. „Die Investition in eine lebenswerte Gesellschaft ist auf jeden Fall ihr Geld wert.


Blick in die TRK

Den traditionellen Blick auf die Aktivitäten der TechnologieRegion Karlsruhe GmbH lieferte Geschäftsführer Jochen Ehlgötz. Wie schon erwähnt, setzt die Region stark auf den H2-Wasserstoff als ganz wichtigen Energieträger für die zukünftige Energieversorgung der Region und als Beitrag zur CO2-Neutralität. „Wir besitzen hier enorme Kompetenzen auf diesem Gebiet. Innerhalb unseres Projektes, „Klimaschutz und Wertschöpfung durch Wasserstoff – KWH2“ wollen wir Wege aufzeigen, Rahmenbedingungen definieren und planen eine erste Modellierung durch das Projektkonsortium H2iPortKAMod im Rheinhafen.“

Ehlgötz kündigt in diesem Zusammenhang die Woche des Wasserstoffs vom 17. bis 21. Juni 2024 in der IHK Karlsruhe an.

Weitere Schwerpunktthemen der TRK sind eine nationale und eventuell internationale Vernetzung im Bereich der Bioökonomie. Es werde gerade an einer Bioökonomiestrategie für die Region gearbeitet, die am 22. April in der IHK vorgestellt wird. Auch der Innovationspreis NEO 2024 beschäftigt sich mit dem Thema Nachhaltigkeit. Gesucht werden Innovationen der Kreislaufwirtschaft.

Abschließend wurde das Film- und Serienfestival Baden-Baden vorgestellt, das als einer der wichtigsten Branchentreffs gilt.