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Netzwerktreffen „Automotive meets Science“ an der Hochschule Rhein Main in Rüsselsheim

Es ist eine dieser Veranstaltungen, deren Zweck zu vielgestaltig, zu vielschichtig ist, um ihn anders zu fassen als mit ungriffigen Vokabeln wie Netzwerktreffen, Ideenbörse oder Forum. Gleichzeitig war es aber eminent wichtig, was sich am Mittwochnachmittag in der Hochschule Rhein Main unter dem Label „Automotive meets Science“ abspielte.

Am Rüsselsheimer Fachbereich Ingenieurwissenschaften kamen die zum Austausch von Meinungen, Ideen und konkreten Projekten zusammen, die gemeinsam das - wieder so eine Vokabel - „Automotive Cluster Rhein Main Neckar“ bilden. Autohersteller, Zulieferer, Ingenieurdienstleister und Forscher - von heute und von morgen. Besonderen Charme erhielt die Veranstaltung nicht nur aus der Zusammensetzung der Teilnehmer, und der Vielzahl brandaktueller Themen von Opel-Neuausrichtung bis Klimaziele, sondern vor allem dadurch, dass Tacheles geredet wurde.

Zum Beispiel von der Chef-Organisatorin des Treffens, Prof. Dr. Birgit Scheppart. „Niemand sollte glauben, dass sich die Änderungen durch Lobbyarbeit, durch Verweigerung aufhalten lassen“, schloss die Expertin für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie ihren Vortrag ab - nicht zuletzt mit Blick auf die aktuelle Diskussion über eine Aufweichung der Klimaziele. Konkret befasste sich Scheppat mit den Zukunftsfragen, die sich mit Blick auf den Schwerlastverkehr aktuell stellen.

Schwerlastverkehr wirkt sich auf Klimaziele aus

Um Klimaziele überhaupt zu erreichen, komme man an diesem Verkehrssektor nicht vorbei, schließlich sei dieser stetig wachsende Teil alleine für 50 Prozent aller Stickoxide verantwortlich. Existierende Modelle für einen emissionsfreien Pkw-Verkehr seien allerdings nicht ohne Weiteres auf den Lastverkehr übertragbar. Scheppat legte anhand einiger Beispiele dar, wie unzulänglich die aktuelle Batterietechnik ist, um sie als einzigen Energiespeicher in großen Fahrzeugen zu verbauen. Deutlich wirtschaftlicher und bereits ausgereifter sei da die Brennstoffzellentechnologie, die auf Wasserstoff als Energiespeicher zurückgreift und ebenso einen emissionsfreien Betrieb zulasse. Einige Fahrzeuge seien sogar schon am Markt - nur kämen die leider aus dem Ausland. „Deutschland droht, den Anschluss zu verlieren“, bedauerte die Professorin und warb bei den Anwesenden, die nötigen Fragen auf allen Ebenen anzupacken.

Dass es zu einigen auch an den heimischen Hochschulen schon vielversprechende Lösungsansätze gibt, konnten die Zuhörer in den weiteren Vorträgen erfahren. Themen wie „Emissionsfreie Busse - Quo vadis?“ standen ebenso auf dem Programm wie Auswirkungen von Bike-, Car- und Parksharing auf die kommunale Verkehrsplanung oder neue Erkenntnisse zu so handfesten Phänomenen wie dem Bremsenknarzen.

Handfest und konkret ging es, vor allem aus Sicht der Studierenden, im Foyer vor dem Hörsaal zu. Hier gab es Möglichkeit, mit etlichen Automotive-Unternehmen aus der Region in Kontakt zu kommen, sich über deren Portfolio zu informieren und Jobchancen auszuloten. Die Firmen boten zu diesem Zweck auch deutlich mehr als nur bunte Faltblätter und Kugelschreiber. An einer Infowand waren Dutzende Stellenangebote und Projekte für Bachelor- und Masterarbeiten ausgehängt, über deren Details sich Interessenten direkt mit den Ansprechpartnern vor Ort verständigen konnten.

Innovationen und Nachwuchs unverzichtbar

Ein Gewinn für alle Beteiligten, wie auch der Dekan des Fachbereichs, Prof. Dr. Wolfgang Kleinekofort, bei seinem Grußwort hervorhob. Wer sich als Unternehmen von der Innovation verabschiede und sich auch personell nicht stetig um Nachwuchs bemühe, für den werde es schwierig, langfristig am Markt zu bestehen. Auf die große Bedeutung von Innovation ging auch Landrat Thomas Will ein, der der Eröffnung der Veranstaltung beiwohnte und betonte, Opel sei zwar der größte und wichtigste, aber längst nicht der einzige Player im Automotive-Sektor. 52000 Jobs seien dem gesamten Bereich in Südhessen zuzuordnen. Und um diese zu erhalten, seien Politik, Wirtschaft und Forschgung gleichermaßen gefragt. Er habe schon bei der Opel-Krise vor zehn Jahren gehofft, „dass man die Zeichen der Zeit erkannt hat“ und alternativen Antrieben höheren Stellenwert einräumt. Nun habe man mit PSA eine Konzernmutter, die Knowhow in diesem Bereich mitbringe.

Quelle: Main-Spitze